16. Montagsrunde am 11. April: Über strong and weak ties und was die re:publica damit zu tun hat
Jeder kennt sie. Jeder hat sie. Jeder kann sich auf sie verlassen, wenn es darauf ankommt. Es gibt für den Menschen an sich wohl kaum etwas Wichtigeres als andere Menschen, mit denen er sein Leben, Lieben und Leiden teilen kann. Familie, Verwandte, Freunde, Kollegen, Bekannte, Vereinskameraden, Saufkumpane, Bekanntschaften von den unterschiedlichsten Anlässen …
Die Vielzahl an feingliedrigen Variationen einer zwischenmenschlichen Beziehung sind so umfangreich wie die Einträge in der Wikipedia. Mindestens. Das Social Web und seine vielen Services hat in den letzten Jahren erheblich dazu beigetragen noch mehr dieser Verbindungen zu knüpfen, auseinanderzureißen und wieder zusammenzusetzen. Twitter, Facebook und Co. haben es uns ermöglicht bei minimalem Aufwand Menschen an so ziemlich jedem Ort der Erde zu erreichen, mit ihnen in Kontakt zu bleiben oder sie überhaupt erst kennenzulernen.
Gemeinsame Interessen sind dabei gerade bei einem Dienst wie Twitter, der ganz bewusst auf ein exploratives Agieren der User setzt und darauf aufbaut, kommt es wie von selbst, dass man ein vielschichtiges Netzwerk mit Menschen aufbaut, die man noch nie gesehen hat. Und das Faszinierendste daran ist: Diese Netzwerke erreichen eine Vertrautheit und Tiefe, die man selten für möglich halten würde. Denn im Gegensatz zu früher, als man den Kreis seiner Bekannten und Freunde zumeist auf lokaler Ebene um sich wusste, hat sich der Gedanke einer Gemeinschaft stark verändert.
Freunde können überall sein, ohne dass Zeit und Raum eine behindernde Komponente darstellen. Die beste Freundin in Spanien, die zum Auslandsstudium die Heimat verlassen hat, ist Dank ihrer Statusupdates genauso präsent wie der Cousin in der 30 Kilometer entfernten Stadt. Hat man aber das Bedürfnis sich mit einem von beiden fachlich, privat oder sonstwie austauschen zu wollen, gibt es keine Hürde, die dabei nicht genommen werden könnte. Gleiches gilt für lose Bekanntschaften, die sich sowohl intensivieren als auch auf einer respektvollen Ebene verharren können, ohne sich über die Maßen (körperlich) zu Nahe zu kommen. Wenn wir aber auf diese Bande zurückgreifen müssen – hier hat sich das Bildnis der „strong and weak ties“ durchgesetzt, das intensive wie lose Verbindungen zwischen Menschen in einem Netzwerk beschreibt –, so kann man sich heute fast immer darauf verlassen, dass der benötigte Support kommt.
Doch was oft online beginnt, muss nicht nur online bleiben. Ganz natürlich haben beide Seiten für gewöhnlich irgendwann den Wunsch sich auch einmal offline kennenzulernen, um herauszufinden, ob das digital so verschmitzte, gewiefte Gegenüber auch außerhalb des Webs den Vorstellungen standhält. Und das bringt uns zur re:publica. Nachdem ich im letzten Jahr zum ersten Mal auf dem großen Klassentreffen wirklich viele Gesichter meiner Timeline das erste Mal persönlich getroffen habe, war klar: Im Web können Freundschaften und Beziehungsgeflechte entstehen, die nirgends anders in dieser Form möglich wären – und noch eine ganze Weile halten werden.
Anja Stagge, die ich im Sommer letzten Jahres nach einem regen Austausch auf Twitter das erste Mal in Köln traf, brachte es sehr passend auf den Punkt: Jemanden, den man online schon kennengelernt hat, das erste Mal offline zu treffen, sei mit dem dritten Date gleichzusetzen. Man wisse, was das Gegenüber mache, welche Interessen verfolgt werden und was die letzte Zeit alles passiert ist, so dass man direkt daran anknüpfen könne, ohne sich durch die im Offline-Leben oft so komplizierten Etikette winden zu müssen, um niemandem auf die Füße zu steigen.
Aus diesem Grund werden sich David und ich (wir haben uns übrigens auch erst ewig lange online gekannt, ehe wir einander in Frankfurt am Main begegneten) einen genaueren Blick auf die Bedeutung dieser laut Meinung der „kritischeren Offliner“ vermeintlichen weak ties werfen und uns Gedanken machen über „Die Bedeutung von strong und weak ties im Web und was wir daraus für die Offline-Welt lernen können“.
Wir freuen uns darauf euch morgen Abend, am 11. April, ab 20.00 Uhr bei Ustream (Link zum Stream folgt noch!) zur Diskussion begrüßen zu dürfen und hoffen, dass wir viele von euch dann in den darauffolgenden Tagen bei der re:publica in Berlin sehen werden.
Greetz
David und Daniel
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Hier der Stream zur Montagsrunde: