Was ist man eigentlich nach einem Bachelorstudium in der Kommunikation?
Im Zuge des Besuches der re:publica treffen sich viele Social Media Enthusiasten und machen, was sie sonst online zu machen pflegen: Sie reden über ihren Job. Und das ist auch gut so. Doch da ich mich gerade im Begriff befinde, meinen Bachelor-Abschluss als Kommunikationsmanager zu machen, kommt das Thema in meinen Gesprächen mitunter auch auf das Thema "Und was willst du danach machen?" Das an sich ist gar kein Problem, ich weiß ungefähr, was ich danach machen möchte. Ich möchte nämlich keinen Master im Anschluss machen. Ich möchte arbeiten. In der Kommunikationsberatung. Und was mit Medien. Zum Glück kamen bisher keine negativen oder peinlich berührten Reaktionen auf diese Offenbarung, aber eine allgemeine Frage ergab sich: Was kann man nach einem Bachelorstudium im Bereich Kommunikation/PR eigentlich?
Nehmen wir mal etwas Abstand von den schönen Beschreibungen der Studieninhalte auf Hochschulseiten und sehen uns die tatsächlich vermittelten Inhalte des Studiums an, ist die Frage durchaus nicht unberechtigt. Ich kann nur aus eigenen Erfahrungen sprechen, die ich an der FachHochschule Osnabrück gemacht habe:
Wir sind gute Techniker. Wir beherrschen die meisten Tools der klassischen Kommunikationsberatung und haben in zwei dreimonatigen Praktika erste Eindrücke und Erfahrungen in der Kommunikationswelt sammeln können. Wir haben gelernt journalistisch zu schreiben (zumindest im Prinzip hatte jeder die Chance dazu) und wir kennen verschiedene Kommunikationstheorien und die Konzeptionslehre hat uns über mehr als zwei Jahre begleitet. Wir haben Kommunikationspsychologie und Grundlagen der BWL vermittelt bekommen. Wir haben Eindrücke aus der Welt der Journalisten sammeln können und und und. All das habe ich auf die Frage auch damals gesagt. Und das wurde auch alles akzeptiert und honoriert.
Warum müssen wir dann aber nach einem solchen Studium häufig noch einen Trainee/ ein Volontariat abolvieren?
Diese Frage konnte ich nicht stellvertretend beantworten. Ich konnte nur sagen, warum ich gerne eine Trainee-Stelle annehmen möchte. Weil ich meiner Meinung nach zu wenig Erfahrungen in der tatsächlichen Kommunikationsberatung habe. Weil ich gerne noch den "Schutz" des Trainee genießen möchte, Fragen stellen zu können, wenn ich nicht weiß wie etwas gemacht werden soll oder gemeint ist. Weil ich mich noch zu unsicher fühle. Aber das sind fast alles Gründe, warum ICH das machen möchte. Nicht aber, warum Arbeitgeber mir zumeist nur eine Trainee-Stelle anbieten werden. Wissen sie von meiner Unsicherheit? Nun, nach diesem Beitrag vielleicht. Aber vorher? Sind alle Absolventen so? Ich glaube nicht. Ich denke vielmehr, dass die Studienmöglichkeiten im Bereich Kommunikationsberatung/PR noch relativ jung sind. Die meisten Kommunikationsberater kommen nicht aus einem derartigen Studium. Der Zugang zum Berufsfeld Kommunikationsberatung ist offen, das heißt jeder kann in dieser Branche tätig werden, ob erfolgreich oder nicht, ist eine andere Frage.
Weil aber jeder in diesem Bereich anfangen kann, also auch Leute die BWL oder Jura oder Naturwissenschaften studiert haben und aus welchen Gründen auch immer nun in der Kommunikation tätig werden möchten, können Arbeitgeber nicht so leicht einschätzen, was die Bewerber fachlich auf dem Kasten haben. Um also alle "Neuen" auf ein Niveau zu bringen und einfach dafür zu sorgen, dass sie einen bestimmten Level erreichen, wird uns Hochschulabsolventen zunächst "nur" eine Trainee-Stelle angeboten.
Aber was sind wir eigentlich genau nach einem Bachelorstudium in der Kommunikation? Muss man nicht zwangsläufig einen Master dranhängen? Kann man nach einem Bachelor-Studium eigentlich schon in der Kommunikation/PR tätig werden?
Was sagt ihr dazu? Ich bin gespannt.