Der Klout Score als Online Influence Measurement Tool
Mit einem kleinen Artikel auf meinem Blog hatte ich die 1. Montagsrunde 2012 angekündigt:
Online Influence Measurement via Klout Score
Nicht nur, dass es die erste Montagsrunde im neuen Jahr war, es war für mich überhaupt das 1. Mal, dass mir die Ehre zuteil wurde, die Montagsrunde zu hosten und die Teilnehmer mit einem von mir selbst gewählten Thema zu unterhalten und zur Diskussion anzuregen. Als kleines Bonbon probierte ich zudem auch noch ein für die Montagsrunde neues Veranstaltungsformat aus. Während bisher die Plattform ustream.tv genutzt wurde, kam bei mir GoToMeeting zur Anwendung. Herzlichen Dank an dieser Stelle für die freundliche Unterstützung und kompetente Beratung durch Andreas Amorin von Citrix. Mein Dank geht natürlich auch an Daniel Rehn, der sich offen für das neue Format zeigte und die Funktion des Co-Moderators übernahm, sowie an die interessierten Teilnehmer der Montagsrunde.
(Bild: Technorati)What, the hell, is a Klout Score? - Das mag sich so mancher im Zuge der Ankündigung der Montagsrunde gefragt haben. Vielleicht hat die kombinierte Präsentation und Diskussion des Klout Score sogar mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben werden konnten. Stephan Röbbeln schlug sogar ein Spitzentreffen der Leute vor, die sich schon mit dem Klout Score beschäftigt haben, um Kernfragen nochmals in der Tiefe abhandeln zu können.
Nachdem ich ein paar Eckpfeiler des Klout Score präsentiert hatte, die im Artikel Über den Klout Score und warum er aus heiterem Himmel fällt näher erläutert werden, warf ich ein paar Thesen in die Montagsrunde, die als Ausgangspunkt für die Diskussion dienen sollten. Im Folgenden möchte ich diese Thesen nochmal anführen sowie ausgewählte Reflexionen darauf. Schließlich werfe ich meine eigene Perspektive im Klout-Kontext in die Waagschale. Wie bei allen Themen, die die Menschheit bewegen, handelt es sich auch hier um eine "ongoing discussion", die durch Kommentare zu diesem Post ergänzt werden können.
Sieben provokative Thesen als "Icebreaker" zur Klout-Diskussion
- Klout verstößt gegen den Datenschutz
- Der Klout Score ist erspielbar / wird zum Selbstzweck
- Der Klout Score ist ein guter Spiegel der Intensitiät meiner Netzwerkaktivitäten und meines Verständnis von wenigstens einem Sozialen Kanal
- Klout eignet sich hervorragend zur Verbesserung meines Selbstwertgefühles, man kann sogar ganz gut damit angeben
- In Analogie zu US-amerikanischen Verhältnissen wird der Klout Score zunehmend Eingang in Job-Bewerbungsverfahren finden // Geht es um Social-Media-Positionen, dann sowieso
- Klout provoziert die Gefahr, dass der Mensch nur noch oder zu sehr als Zahl oder innerhalb einer (zu) gut definiereten Rangordnung verstanden wird
- Ein höherer Klout Score verweist mit einer gewissen (hilfreichen) Wahrscheinlichkeit auf eine höhere Kompetenz im Bereich Social Media und/oder bei einem der Topics, die im Rahmen des Klout Score ausgewiesen werden
Reflexionen auf die Thesen
- Die Bedenklichkeit der Profilerstellung von Leuten, die beispielsweise auf Facebook mit Klout-Nutzern interagieren und einer Datenverwendung durch fremde Apps in ihren Privatsphären-Einstellungen nicht widersprochen haben, wird recht übereinstimmend als bedenklich bezeichnet. (1)
- Die Erspielbarkeit des Klout Score wird von verschiedenen Teilnehmern bejaht. Insbesondere wird die Meinung vertreten, dass sich durch abgesprochene Interaktionen weniger Leute der Klout Score positiv manipulieren ließe. (2)
- Mangels weiterer Verwendungsmöglichkeit sei der Klout Score Selbstzweck. (2)
- Während Klout teilweise datenschutzrechtlich zu weit geht, wird die Reichweite des Klout Score an anderer Stelle, nämlich z. B. in den Bereichen Blogs und Foren, als zu kurz angesehen. Obwohl gerade hier viele Experten unterwegs sind. (3)
- Das Nachvollziehen der Auswirkung bestimmter Tätigkeiten oder Enthaltsamkeit im Social Web fällt schwer. (3)
- Klout spiele sich quasi nur im Bereich stark online affiner Leute ab. (3)
- Klout scheint bei keinem das Selbstwertgefühl aufzubessern, ein Angeben zumindest in Deutschland damit nicht möglich, gleichwohl sei die Spieltrieb-Komponente stark. (4)
- Dass der Klout Score bei Bewerbungsverfahren in den USA neuerdings auch ein Einstellungskriterium sein kann, wird für möglich gehalten. Hingegen würde der Klout Score in Deutschland selbst bei Positionen im Bereich Social Media keine Rolle spielen. (5) In den USA wird der Klout Score teils durchaus mit gesellschaftlichen Highlights in Verbindung gebracht. So veranstaltete die Bal-Harbour-Modekette eine Party, bei nur Leute ab einem Klout Score von 40 Eintritt hatten. Wohl durchdacht die Einladung von Philipp Hormel an alle Leute mit einem Klout Score von über 75 bei seiner Nudelmahlzeit teilhaben zu dürfen ;-)
- Der Widerspruch zwischen Individualismus, also dem eigenen Weg, und der auch durch Klout suggerierten Zwangsvergleichmechanismen wird moniert. (6)
- Zwischen dem Klout Score und der Kompetenz würde kein Zusammenhang bestehen. (7)
Positionen, Erkenntnisse, ernsthafte Thesen des Autors
- Statistisch gesehen ist die Erspielbarkeit des Klout Score irrelevant. Klout wendet ein 90-Tage rolling Window an, um den Klout Score zu berechnen. Inszenierte, abgesprochene Aktionen werden um so seltener, je länger sie andauern. Wen würde man dazu überreden wollen, warum?
- Je länger man Klout verfolgt, um so nachvollziehbarer werden "Rise & Fall". Eine einfache Regel: Um einen höheren Klout Score aufrecht zu erhalten, ist ein größeres Maß an entsprechenden Aktivitäten erforderlich.
- Leute, die einen höheren Klout Score haben, stehen diesem meist aufgeschlossener gegenüber. Ein Naturphänomen? :-)
- Das Vergleichen ist uns in die Wiege gelegt. Kleinkinder vergleichen die Attraktivität der eigenen Mutter mit der anderer Frauen. Wir müssen sogar vergleichen, kategorisieren und priorisieren um zu überleben. Einen Punkt sollten wir dabei jedoch nicht vergessen. Unsere Menschlichkeit zu wahren und den Respekt vor unseren Mitmenschen. Das hat sehr viel mit Zivilisation zu tun und steht außerhalb von Klout.
- Gerade für Menschen, die nicht im Bereich Social Media selbst oder auf einer Metaebene tätig sind, könnte der Klout Score interessant sein. Gleiches gilt für Firmen, die nicht selbst im Medien- oder Kommunikationsbereich tätig sind. Denn sie haben genauso Kunden und andere Stakeholder, mit denen sie kommunizieren möchten/sollten. D.h., sie sollten jene Kanäle, die sie zur Kommunikation nutzen, effektiv einsetzen. Und genau das will Klout messen. Wie gut das gelingt, ist noch eine andere Frage. Klout steht erst am Anfang ...
Der Klout Score ist ein sehr kontrovers diskutiertes Thema. Für mich ist es auf jeden Fall interessant genug, um hier am Ball zu bleiben. Ich freue mich über Beiträge zu Pros und Cons von Klout.